Ein Bankkonto gilt heute als unverzichtbare Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Ob Miete, Lohnzahlungen oder Sozialleistungen – ohne Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr bleibt der Alltag verschlossen. Genau aus diesem Grund wurde das gesetzliche Anrecht auf ein Basiskonto geschaffen. Doch die Ausgestaltung dieses Mindestzugangs wirft Fragen auf.
In Werbebroschüren der Sparkasse Wilhelmshaven wird häufig mit Einstiegspreisen von 4,00 Euro für ein Bürgerkonto geworben. Der Redaktion REFLAK liegen jedoch anonymisierte Entgeltabschlüsse aus dem Jahr 2025 vor, die ein anderes Bild zeichnen: Ein Grundpreis von 7,90 Euro pro Monat bildet hier lediglich das preisliche Fundament.
Die vorliegenden Dokumente zeigen, dass die eigentliche Belastung durch die Abrechnung einzelner Buchungsposten im Zahlungsverkehr entsteht. Jede einzelne Kontobewegung – sei es eine Überweisung, eine Lastschrift oder ein Dauerauftrag – scheint laut dieser Belege separat bepreist zu werden.
Die uns vorliegenden Abrechnungen dokumentieren Belastungen für den Zahlungsverkehr, die in einzelnen Monaten zwischen 21,80 Euro und 27,80 Euro liegen. In Kombination mit dem Grundpreis führt dies zu monatlichen Gesamtkosten von 30,00 Euro bis zu knapp 36,00 Euro. Für Bezieher von Bürgergeld oder Geringverdiener stellen solche Beträge eine signifikante Hürde dar, die den eigentlichen Zweck eines Basiskontos konterkarieren könnte.
Fragen zur Angemessenheit
Sparkassen agieren mit einem öffentlichen Auftrag und einem Versprechen zum Gemeinwohl. In diesem Kontext stellt sich die Frage der Angemessenheit: Wird hier ein notwendiger Zugang fair bepreist oder führt die gewählte Entgelt-Logik zu einer unverhältnismäßigen Belastung einkommensschwacher Bevölkerungsschichten?
REFLAK hat die Sparkasse Wilhelmshaven um eine Stellungnahme zur Preisgestaltung bei Basiskonten und zur Transparenz der Einzelbuchungskosten gebeten. Entscheidend ist hierbei die Frage, wie ein fairer Zugang zum Finanzsystem sichergestellt werden kann, wenn jeder digitale Klick die Kosten in die Höhe treibt.
Fakten statt Werbeworte
Entscheidend für die Verbraucher sind nicht die Werbebotschaften, sondern die realen Zahlen auf dem Entgeltabschluss. REFLAK wird die Preismodelle weiter beobachten und prüfen, inwieweit die Dokumentation dieser Einzelfälle eine breitere Systematik bei der Gebührengestaltung offenbart.
Transparenz schaffen
Besitzen Sie Unterlagen oder Preisblätter zu Basiskonten, die eine ähnliche Kostenstruktur aufweisen? REFLAK sucht nach weiteren anonymisierten Belegen, um die reale Belastung für Kontoinhaber flächendeckend zu dokumentieren. Bitte achten Sie darauf, persönliche Daten vor der Einsendung unkenntlich zu machen.
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